Die Geschichte eines Rad-Neulings: Episode 4 von 7
Wir blicken auch heute und in den folgenden drei Ausgaben des PEDALO Newsletters wieder gespannt dem Rad-Neuling und Best Ager Harry über die [Radler-]Schulter.
Ein richtig trainierter »Sportler« ist er ja nicht gerade, und so hat sich in der ersten Episode sein Gesäßmuskel als springender Punkt herausgestellt. Trivial, aber wahr.
In der zweiten Episode war dann vom Wesentlichen die Rede. Von dem, was einzupacken, zurückzulassen und umzupacken sei.
Dann hatte er drittens eine Entscheidung zu treffen. Und er hat auch diese Hürde genommen. Er weiß, dass er im Land der Radler radeln wird, und immer mit einem Schiff als »Rettungsinsel«.
Nun aber geht es um den Weg dorthin: Um das Trainieren und Orientieren. Und um die richtige Einstellung ...

Der Weg ist abgesteckt, das Ziel in Sicht :-) © Foto: photocase, df.schoenen
Wenn man Angst vor etwas hat, sollte man sich das Schlimmste vorstellen, das einem in diesem Zusammenhang widerfahren kann, meinen die Psychologen. Dann verliere es seinen Schrecken. Das ist leicht gesagt. Aber: Welches Schlimmste ist gemeint? Da schweigen die Bücher, und man ist wieder auf sich selbst gestellt.
Ist es vielleicht das Körperliche? Dass man zusammenbricht und plötzlich auf der saftigen Hollandweide neben dem Euter einer Schwarzgescheckten zu liegen kommt? So fern der Heimat. Unwahrscheinlich. Holland soll ja auch medizinisch schon ganz schön erschlossen sein, wie man hört. Und Amsterdam ist ja auch nicht weit.
Kann man sich verirren? Natürlich, und wie! Die Fietspads, wie dort die Radwege heißen, sind zwar als Netzwerk aufgebaut und durchnummeriert, aber Scherzkekse aus dem Lekkerland sollen auch schon einmal die Richtungspfeile verdreht haben. Dann ist man im Orbit von – sagen wir – Oudewater, was sinnigerweise auch gleich »Hexenwaage« heißt. Da kannst du dann Runden drehen wie ein Windmühlenflügel.
Aber was soll's? Es gibt ja Reiseunterlagen. Und Menschen, die man fragen kann. Eben. Aber trotzdem.
Das Schiff wird unser schwimmendes Hotel sein, sagt der Prospekt. Aber werden wir es immer wieder finden nach unserer Tagestour durch Süd-Holland in diesem fremden Gewusel von Flüssen, Grachten und Kanälen.
Also: Trainieren, sich zu orientieren, den Weg zu finden und das Pfadfinder-Ich zu aktivieren. Denn auch die MS Fluvius soll ja kein Riesendampfer sein, sondern ein schnuckeliger Kahn mit 20 Kabinen für insgesamt 38 Gäste. Eine Jugendherberge die schwimmt? Keineswegs. Einfach familiär.
Aber bei aller Vor-Sorge: Jetzt kommt zu allererst die Vor-Bereitung! Die Superkompensation, richtig?
Du musst dich systematisch schwächen, um stärker zu werden. Geil. Wer hat das erfunden? Die Sportmedizin. Und das geht so: Wer sich körperlich belastet, wird müde. In den Erholungsphasen reagiert der Körper dann mit Anpassung. Er will beim nächsten Training besser vorbereitet sein und baut deshalb erhöhte Leistungsfähigkeit auf. Kleine Leistungssteigerungen erzielt man schon durch ein einmaliges Training pro Woche. Wirklich optimal funktioniert diese Technik aber nur bei einem zwei-, drei- oder gar viermaligen Training pro Woche.
Damit war die Agenda klar. Und nachdem auch das softeste aller softigen Trainingsprogramme für Rad-Einsteiger mit sechs Wochen zu veranschlagen ist, war es auch höchste Zeit damit zu beginnen. Man sollte am Ende jeder Trainingsfahrt immer sagen können: Da ist noch Spielraum. Etwas mehr hätte es ruhig noch sein können.
Der Weg ist also abgesteckt.
Der Fietspad ruft. Superkompensation ist angesagt. Und Kartenstudium. Und die Vorfreude. Denn jetzt merke ich mit einem Mal, dass meine RadReise schon längst begonnen hat.
Man wird [mich] sehen.
Ich werde mich zeigen.