Was nehme ich mit?

Die Geschichte eines Rad-Neulings: Episode 2 von 7

Wir schauen heute und in den folgenden fünf Ausgaben unseres Newsletters dem Rad-Neuling und Best Ager Harry über die Schulter. Ein richtig trainierter »Sportler« ist er ja nicht gerade, und so hat sich in der ersten Episode sein Gesäßmuskel als springender Punkt herausgestellt. Trivial, aber wahr.

Radfahren spielt sich also nicht nur im Kopf ab, sondern auch ganz im Gegenteil. Eine wichtige Erfahrung. Er möchte sein Leben entschleunigen und weiß, wie wichtig es ist, konkrete Ziele zu haben und sie auch konsequent zu verfolgen. Beim letzten Mal stand unser Held noch an der Pforte zu seinem Abenteuer. Jetzt ergeht ein Ruf an ihn. Wird er ihn hören [wollen]?

Wird das Rad mein Weg? Die Geschichte eines Rad-Neulings.

Was mitnehmen? Nur das Wichtigste!? © Foto: photocase, cydonna


Episode 2: Der Ruf

Wer sein Rad sattelt, kommt rasch zum Wesentlichen. Zum Weg. Da ist Umpacken angesagt. Konzentration auf das Wichtigste: Nimm immer weniger mit als bei der Reise zuvor und du bist mit jedem Mal besser gerüstet. Der Ruf ist klar: Was brauche ich wirklich in meinem [Radler-]Leben? Nun: Einen guten Grund für diese Art von Reise. Eine lange Leine für den Abenteuergeist. Gefühl für die Richtung. Quellen für Tipps. Handgepäck für Körper und Geist. Energie und Vitalität. Jedoch: Wirklich gut gerüstet fühle ich mich noch nicht, sage ich mir, aber schon jetzt irgendwie freier ...

Verlockend sind sie ja, diese RadReise-Kataloge, diese Folterinstrumente des Fernwehs, diese Gewissenswürmer der körperlichen Bewegung. Keine Frage: Wunderschöne Bilder von Gegenden, die einem schon beim Hinschauen gut tun. Glitzernde Räder, bunte und schwerelose Packtaschen und natürlich RadlerInnen, denen die Mühelosigkeit ins Gesicht geschrieben ist. Warum machen die eigentlich Pause?

Und ich? Wie würde wohl ich mich machen auf einem dieser Shootings? Roter Kopf, dunkle Schweißflecke auf dem T-Shirt, angstvoller Blick in Richtung nächster Steigung?

Aber wirken abgekämpfte Radler nicht auch irgendwie sexy?

Zunächst weiß ich ja gar nicht einmal, was ich von meiner aufkeimenden Begeisterung halten soll. Mich haben ja auch schon Golfresorts und Segelflugplätze angelacht. Und Badeplätze. Und Berggipfel. Von Büchern und Fotoapparaten ganz zu schweigen.

Wenn ich schon lese: »Schwierigkeitsgrad«! Nicht gerade motivierend. Beruhigend vielleicht, dass diese Information auch für andere wichtig ist. Aber möchte ich’s denn überhaupt »schwierig« haben? Einerseits ist es ja klar, dass nicht alle RadReisen gleich sind. Andererseits ist ja manchmal sogar von Anstiegen die Rede. Horror. Und das ist sicher noch verniedlicht. Sicher wieder so eine »Sprachregelung«, so eine bicycle correctness.

Ich möchte es mir doch leicht machen, wenn es geht. Und mein innerer Schweinehund quiekt begeisterte Zustimmung.

Flache Strecken sind leicht zu fahren, richtig? Das wäre doch ein Anfang. Aber wenn auf diesen Ebenen dann der Wind von vorne kommt? Mühsam. Also eine flache Strecke wählen mit einer »Sicher-kein-Wind-von-vorne-Garantie«? Aber Radeln ist doch ein Outdoor-Sport, also verlange nicht das Unmögliche! Oder willst du dir nur eine Brücke bauen, um auszusteigen bevor du aufgestiegen bist?

Dennoch: Der Wunsch, so eine RadReise zu machen, wird immer stärker. Gleichzeitig schieben sich die geruhsamen Alternativen ins Bild: Einfach nichts tun. Gar nichts tun. Pauschal. Millionen Urlauber können sich nicht irren, oder? Die fahren gar nirgends hin, sondern einfach fort. Lassen sich fort fahren: Wie ihr Gepäck von Tür zu Tür.

Und ich will auf’s Rad? Will ich das wirklich?
Das wird noch eine schwierige Entscheidung!

 Episode 1: Die Pforte

Episode 3: Die Entscheidung

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